Frei nach Luft und Laune!

Schreiben am Hüttentisch

Kreativer Schreibworkshop & Kochkurs

Sei dabei beim geselligen Schreiben am Hüttentisch zwischen Rax und Schneeberg am Naturfreundehaus Knofeleben am 29. Oktober 2019. Beginn: 13 Uhr.

Den Kopf frei bekommen durch das Wandern in der Natur. Die Gedanken rauschen und fließen. Ideen sprudeln. Wir halten sie fest, schreiben sie auf und genießen die Freude unserer Kreativität.

Ich lade dich ein zu einem Creative Writing-Workshop mit innovativen Schreibübungen. Damit locken wir unsere Fantasie und halten sie mit Worten fest. Wer mag, kann seine Texte mit der Gruppe teilen. Alle Übungen sind Einladungen, kein Muss, kein Urteil, sondern nur du und deine Bilder im Kopf – als Worte am Papier.

Spaß und Staunen mit Creative Writing

Keine Vorkenntnisse notwendig! Du brauchst nur Neugierde und Lust, kreatives Schreiben auszuprobieren. Alle Schreibmaterialien bekommst du von uns. Deinen Lieblingsstift und dein Schreibheft kannst du natürlich verwenden. Ich arbeite mit Creative Writing-Methoden aus dem englischsprachigen Raum, die ich im writer’s studio in Wien lernen durfte. Ich garantiere dir viel Spaß und Staunen, wenn du dir und deinen Texten begegnest.

Der Workshop dauert von 13 bis 17 Uhr. Wir schreiben am Hüttentisch im Naturfreundehaus Knofeleben. Es liegt am Fuße des Schneebergs im südlichen Niederösterreich, eine Auto- oder Zugstunde von Wien entfernt. Gehzeit von Reichenau an der Rax zur Hütte: rund zwei bis zweieinhalb Stunden. Wir werden in einem Extrazimmer schreiben, damit wir ungestört unsere Gedanken zu Papier zu bringen können und bei schönem Wetter plane ich eine Schreibübung für draußen in der Natur.

Momo-Kochkurs in der Hüttenküche

Vor dem Abendessen wird es kulinarisch kreativ: Wir versammeln uns in der Küche, um mit Hüttenwirt Marco und seinem Team nepalische Momos zu kochen. Momos sind gefüllte Teigtaschen, die wir nach einem geheimen Familienrezept von Dawa und Tenji zubereiten werden. Ich freue mich schon, anschließend gemeinsam mit dir und den Naturfreundinnen und Naturfreunden den Abend gemütlich ausklingen zu lassen.

Details und Anmeldung

Mehr Informationen gibt es auf der Seite des Naturfreundehauses Knofeleben und bei den Natufreunden Österreich .

Anmelden kannst du dich bei den Hüttenwirtsleuten, die Kontaktdaten findest du HIER.

Wir haben nur 8 Plätze!

Veranstalter sind die Naturfreunde Österreich.

Bei Fragen zum Schreibworkshop melde dich gerne bei mir: ilona@schreibkueche.com


Mein Kolumbien: Traum und Wirklichkeit

Nach drei Wochen in Medellín habe ich jetzt im Moment gerade genug. Die Stadt ist 24 Stunden lang laut, die Luft schwer von den Abgasen des Verkehrs und es strengt Körper und Geist an. Das spüre ich jetzt besonders, nach einem Zwei-Tages-Ausflug mit meiner beunsettled-Kollegin Zuzana nach Guatapé.

Wir waren zwei Stunden mit dem öffentlichen Bus über die Berge zu einem wunderschönen Stausee gefahren, dem man es nicht ansieht, dass er für zehn Prozent der Stromversorgung Kolumbiens sorgt. Die Landschaft ist geprägt von vielen kleinen grünen Inseln im See mit steilen orangebraunen Ufern, dort wo der Wasserspiegel wohl sonst um ein bis zwei Meter höher steht. Jede Besucherin hier steigt auf den Piedra de El Peñol (oder Piedra de Guatapé, darüber streiten die benachbarten Gemeinden gerne). Der Aufstieg auf diesen grauschwarzen Felsen über rund 700 Stufen wird belohnt mit einer Atem beraubenden Aussicht. Instagram ist voll von fantastischen Fotos. Da kann man selbst als Insta-Anfängerin wie ich fast nichts falsch machen.

So viele Geschichten

Zurück in Medellín spüre ich in unsere beunsettled-Gruppe hinein. Zusammengewürfelt und alle auf der Suche. Verschiedene Kulturen, Vorlieben und Charaktere sorgen in der dritten Woche für neue Distanz, um uns in der vierten Woche dann umso enger zusammenwachsen zu lassen. Zumindest erlebe ich es so und ich bin dankbar für diese Erfahrung. Jeder hat eine abwechslungsreiche Geschichte hinter sich, Familie, Freundinnen, Liebe, die kommt und geht. Viel Stoff für meine Geschichten: Anekdoten von verrückten Tanten und Großonkeln, dramatische Liebesdramen, aufregende Abenteuer und traurige Abschiede für immer. Wir erzählen uns von unseren ersten Livekonzerten, diskutieren über Politik (nicht immer einfach) und bekochen uns gegenseitig mit unseren Lieblingsgerichten von daheim. Mein Apfelstrudel nach dem Rezept meiner Mutter war Weltklasse und für viele der erste in ihrem Leben. Alle liebten ihn und ich bekam feuchte Augen. Ich werde sie vermissen: Lee, Sarah-Maude, Victoria, Fabrizio, Matty, Seyi, Zuzana und unseren Daddy Corey.

Traum und Wirklichkeit

Die Stadt hat sich verändert in den vergangen Wochen. Sie kommt mir lauter und rauher vor und die Luft scheint stickiger. Wenn ich hier am Balkon unseres Appartements den Blick über den Bildschirm hebe, ist die Aussicht immer noch beeindruckend wie am ersten Tag. Doch die Farben verblassen, das Grün der Bäume, die rotbraune Erde auf den Bergen, die roten Ziegeln der Hochhäuser, die gelben und violetten Blüten am Wegrand. Es erinnert mich an die Phase nach der ersten Verliebtheit, wenn die Hormone aufhören verrückt zu spielen. Wenn der Moment der Ernüchterung kommt, den ihr wohl alle auch schon erlebt hat. Ich sehe die Frauen und Männer mit Babys am Straßenrand, Lutscher und Zuckerl pro Stück verkaufend. Junge Mädchen und Burschen mit nur einem Arm oder einem Bein, die ihre Gliedmaßen sicher bei einer der wahnwitzigen Fahrten mit dem Motorrad verloren haben. Mein Blick hat sich für die Schattenseiten dieser Stadt geschärft.

Zu Gast und keine Nomadin

Ich fühle Wehmut über den bevorstehenden Abschied und gleichzeitig Heimweh. Eine der Fragen, die ich mir für diese Reise gestellt hatte, war: Wie wäre es, als digitale Nomadin zu leben? Es gibt viele, die es lieben, zu reisen und an den, für mich, exotischen Plätzen dieser Welt auf Abruf oder noch besser, nur dann, wenn sie es wollen, zu arbeiten. Kolumbien hat meinem Schreiben gut getan. Aber ich weiß jetzt, dass ich wohl um 25 Jahre zu spät dran bin für diese Idee. Ich bin schon lange angekommen, in Wien und in Reichenau. Reisen ja, aber nicht als Nomadin, sondern als eine Besucherin, die gerne wieder heimkehrt.

Meine 3 Tipps für Kolumbien

1. Lernt Spanisch, damit ihr den Menschen hier näher kommt, die meisten sprechen kein Englisch, schon gar kein Deutsch.

2. Nehmt euch genügend Zeit für eure Reise – für Städte, für die Musik und das pulsierende Leben, für Kunst und Kultur und für die Natur auf Bergen, im Dschungel und an den Küsten.

3. Probiert unbedingt alle Gerichte des Landes durch und die frischgepressten Fruchtsäfte, die ihr an jeder Ecke bekommt.

Kaffee und Avocados

Kaffeepflanze in Nahaufnahme

Unsettled in Kolumbien, Teil 2

Unser erster Ausflug mit meiner Unsettled-Bande hat uns nach Jardín geführt, offiziell 2,5 Stunden mit dem Auto von Medellín entfernt, wir brauchten 4! Es war kurvig und holprig, die Straße oft durch Baustellen-Schotterpisten unterbrochen. Die Landschaft blieb unbeeindruckt von all der Verkehrshektik und dem Staub und erfreute mein Herz. Die Berge wie mit grünem Samt überzogen, dazwischen Taleinschnitte mit kleinen, hohen Bambuswäldern – wie große hellgrüne Federbuschenbälle, die sich sanft mit dem Wind bewegen. Palmen, Kühe im Schatten von Bäumen, Pferde, Maultiere; vor, neben und hinter uns Menschen auf ihren Motorrädern, amerikanische Trucks (LKW mit bis zu zwei Meter langer Motorhauben-Schnauze vor der Fahrerkabine), öffentliche, große und kleine Busse. Und wieder diese mutigen Radfahrerinnen, die den dichten Staub ignorierten und fest entschlossen ihren Platz am Rand der Fahrbahn verteidigend bergauf schnaufen. Die Fahrt wurde nie langweilig.

Ich schloss zwischendurch die Augen, ich wollte die Eindrücke fest in meinem Inneren sichern. Ich wollte diese Bilder nicht wieder verlieren an den Alltag. Und ich dachte: Ich würde so gern Teil der Landschaft werden, mich reinflechten lassen. Zu einem der Baumbusbuschen werden, mich sanft im Wind wiegen lassen und den Rest der Welt vergessen. Diese Gedanken geben mir Ruhe und Zufriedenheit, es heilt vom Druck und den Wunden der vergangenen Jahre. Ich weiß, warum Grün meine Lieblingsfarbe ist, sie macht mich wieder ganz.

Gastfreundschaft auf der Finca

Gefühlskram. Ihr wollt wissen, was wir hier erleben. Zu Recht, wie ich meine! Also: Wir waren zu Gast bei Martha und Gustavo Osorio, Kaffeebauern in Jardín. Sie luden uns auf ihre Finca ein, die rund vier Kilometer von dem supersüßen kleinen Dorf Jardín liegt. Das Ehepaar lehrte uns viel über Kaffee in Kolumbien, zeigten uns seine Felder und Martha kochte für uns mein bestes Bandeja paisa hier in Kolumbien. Es ist ein gemischter Teller mit verschiedenem Fleisch, Reis, Erdäpfeln, ein hart gekochtes Ei, Kochbanane, Avocado, Bohnen und Arepa (runde Kukuruz-Fladen). Er wird so vor allem in der Region Antioquia am Land gern zu Mittag gegessen. Und sie servierte es so, wie es wohl auch die Kaffeepflücker bekommen, eingepackt in einem Bananenblatt und kalt. Dazu tranken wir Agua de Panela, ein Getränk aus Zuckerrohr, nicht zu süß, erfrischend. Grandios!

Der Bauernhof liegt auf rund 1.750 Meter über dem Meeresspiegel, perfekt für Kaffee, wie uns Gustavo erzählte. Die Familie betreibt die Finca in vierter Generation und nutzt 5 ihrer 9 Hektar Land für Kaffeeanbau. Wie Kaffee angebaut und geernet wird, könnt ihr googeln, darüber wurde genug geschrieben. Nur soviel: Wir bekamen alle einen Strohhut aufgesetzt und pflückten Kaffee, eine tolle Erfahrung – und gab uns einen Eindruck von der harten Arbeit.

Neuer Kaffeegeschmack braucht Zeit

Spannend war für mich, dass Gustavo und Martha erst seit zwei Jahren den guten kolumbianischen Kaffee, wie wir ihn kennen, selbst trinken. Zuvor tranken sie einen Kaffee, der aus einer Mischung von Abfallbohnen besteht und zu Instantkaffee verarbeitet wird. Der gute Kaffee ist nur für den Export, er ist die Einkommensquelle von rund 500.000 Familien hier in Kolumbien. Ich musste schmunzeln, als Gustavo davon erzählte, wie er seinen Nachbarn den „richtigen“ Kaffee anbot und sie angewiedert verweigerten: Den könne man ja nur mit viel Zucker trinken. Sie bevorzugen weiter ihren seit jeher gebrauten Kaffee. Geht es euch nicht genauso, wenn ihr eine neue Sorte für daheim ausprobiert? Bei mir dauert es immer einige Tassen, bis er mir schmeckt. Den Kolumbianierinnen hier geht es wohl genauso.

Kein Jobangebot als Kaffeepflückerin

Warum ich kurz überlegte, bei den Osorios anzuheuern, waren die vielen Avocadobäume und Bananen- und Kochbanenstauden zwischen den Kaffeepflanzen. Hier lässt es sich gut leben, dachte ich mir. Doch Gustavo lehnte mein vorsichtiges Angebot, länger zu bleiben und ihm für Kost und Logis bei der Ernte zu helfen, zwar freundlich, aber bestimmt ab. Sein Gesichtsausdruck brachte uns zum Lachen, er dachte wohl: „Auf welche absurden Ideen diese Gringos kommen?“ Er erklärte uns, warum er mich nicht brauchen konnte: Es werde zwar immer schwieriger, gute Kaffeepflücker zu finden und es müssen erfahrene Leute sein, die hart arbeiten können. Dies traute er mir wohl nicht zu. Ihr müsst euch vorstellen, dass bei guter Erntezeit ein Pflücker pro Tag 300 bis 400 Kilogramm der roten Beeren per Hand von den mannshohen Bäumen pflückt. Dafür verdienen sie rund 150.000 Pesos pro Tag, das sind umgerechnet rund 39 Euro. Das ist hier viel Geld. Aber ich würde wohl nicht einmal die 25 Kilo schaffen, die die Arbeiter umgerechnet für ihr Mittagessen auf der Hazienda selbst zahlen müssen, 12.000 Pesos. Ich würde wohl verhungern. Und mich illegalerweise wochenlang nur von den Avocados am Feld zu ernähren, war dann auch keine so feine Vorstellung. Also zog ich weiter mit meiner Unsettled-Bande zu unserem nächsten Abenteuer.

Hasta luego, amigos!

Unsettled in Medellín

Eindrücke von meiner ersten Woche

Medellín, die zweitgrößte Stadt in Kolumbien. Südamerika, mitten drin. Es ist großartig: bunt, warm – meist mit einer leichten Brise, die Luft voller würziger und süßer Geschmäcker und Gerüche, rhythmisch, so – pure Lebensfreude. Überall ist Musik zu hören und die Paisas, wie die Einwohnerinnen Medellíns genannt werden, sind meist gut drauf und super hilfsbereit. Nicht nach Hause finden, ist kaum möglich, es hilft dir immer jemand weiter und wenn du, so wie ich, mit peinlich wenig Spanisch unterwegs bist, nehmen sie dich quasi bei der Hand und begleiten dich. So ist es zumindest mir vorgestern ergangen. Und das in einer Stadt, die ich vorher nur mit Gefahr, Mord und Totschlag und Drogen verbunden habe. Versteht mich nicht falsch, klar ist Vorsicht geboten, aber das ist es doch in jeder Großstadt. Mit Menschenverstand und ohne Erbschmuck in Gold von der Großtante oder fetter 2000-Euro-Kamera gut sichtbar um den Hals lebt es sich hier gut und ich fühle mich sicher.

Leben und arbeiten in der Stadt

Ich sitze am Balkon unseres Appartements, dass ich mit einer Kanadierin teile, Sarah-Maude. Und ich bin froh, dass sich Wolken vor die Sonne geschoben haben, ansonsten wird es doch ziemlich heiß hier in Medellín, der Stadt des ewigen Frühlings. Sarah-Maude und ich sind Teil einer 8-köpfigen-Gruppe, die sich mit „beunsettled“ einen Monat Auszeit genommen haben. Wir wollen hier gemeinsam an unseren Zielen arbeiten und darauf fokussieren, was uns wirklich wichtig ist im Leben – und nebenbei jede Menge Spaß und Abenteuer erleben. Die meisten arbeiten täglich einige Stunden remote, das heißt, sie machen Home office, nur eben nicht vor Ort, sondern am anderen Ende der Welt – was ja dank Internet heutzutage perfekt funktioniert. Es gibt tolle so genannte Co-Working-Spaces, offene Büros, wo man mit gutem WLAN und in Ruhe (mit Kopfhörern im Ohr) arbeiten kann. Wir anderen wollen rausfinden, ob diese Art des Arbeitens auch was für uns wäre und wo es uns hinzieht, nach Hause, auf die Reise oder vielleicht auch nur zurück zur gewohnten Routine. Be unsettled bedeutet für uns vier Wochen lang voneinander lernen und den Horizont erweitern, neue Kulturen und Sichtweisen erleben und reflektieren.

Medellìn liegt auf rund 1.500 Meter und ich dachte, geh, das ist ja nicht so schlimm, ich bin ja meine Rax gewöhnt. Doch in Kombination mit der Zeitverschiebung (hier sind wir 6 Stunden hinter Österreich) geht das ganze schon ein bisserl an die Substanz. Das beste, was man tun kann: Trinken (Wasser!), Bewegung, Sport und genügend Schlaf. Und sich treiben lassen vom Zeitgeist hier. Alle scheinen irgendwie unterwegs zu sein, es stinkt nach Diesel und es ist laut. Viele Mopeds und Motorräder, mutige Radfahrer, alte LKW, Busse, dazwischen Fußgängerinnen, mich wunderts, dass ich noch nicht Zeugin eines Unfalls wurde. Aber, und das finde ich interessant, viele Autos, die ich gesehe habe, sind zwar sehr alt, aber nicht verbeult. Verbeulte Autos habe ich in Italien viel öfter gesehen.

Feria de las Flores: Paraden und Feste

Ich genieße jeden Morgen, wissend: Kein Bürotermin wartet und ich kann mir Zeit lassen und einfach am Balkon sitzen mit gutem kolumbianischen Kaffee aus der Filtermaschine und schauen. Das Panorama hier ist Inspiration und Meditation in einem. Die Stadt liegt im Aburrá-Tal, geschützt von grünen Bergen. Die Hochhäuser um mich herum hier im Bezirk Poblado laden ein, die Balkone und Fenster zu inspizieren und zu schauen, was sich so tut im Leben der Medellíner.

Es ist die Zeit der Feria de las Flores. Ein großes Festival, das über zehn Tage geht und den Blumen gewidmet ist. Es finden jede Menge Feste, Konzerte, Ausstellungen, Paraden und Feiern in der ganzen Stadt statt, die rund zwei Millionen Einwohnerinnen hat.

Wir hatten vorgestern die Gelegenheit eine dieser Paraden zu sehen. Ich weiß nicht, was ich erwartet habe, Blumen wohl. Nun, die Fahrzeuge waren zwar zum Teil mit Blumen geschmückt, aber eigentlich ist es mehr ein bunter Umzug, den die Teilnehmenden und die Zuseherinnen feiern. Alle Arten von Fahrzeugen defilieren entlang der Tribünen, die auch überschattet sind. Wir haben für 20.000 Pesos einen Sitzplatz ergattert, das sind rund 5 Euro umgerechnet. Wie in einem Fußballstadion kann man Bier, Wasser und Snacks kaufen und die Show genießen. Spannend fand ich, dass die Parade mit einer Formation der Polizei gestartet wurde, fette Motorräder, am Sozius standen weibliche Polizistinnen aufrecht und freihändig und es sah ganz schön akrobatisch aus. Ich bekam Gänsehaut, als die ersten Formationen auftauchten und alle auf unserer Tribüne anfingen zu klatschen und vor Begeisterung zu singen und zu schreien. Eine Stimmung, die einen mitreißt, aus allen Lautsprechern lateinamerikanische Rhythmen, bei denen sowieso nur ganz wenige ruhig sitzen bleiben können. Die Teilnehmerinnen des Umzugs strahlen und ich selbst begann unweigerlich auch zu strahlen und zu lächeln und zu winken und zu johlen.

Kleine Notiz an mich: Das sollten wir daheim mal als Happiness-Workshop versuchen, sich gegenseitig anzulächeln – wirkt.

Beeindruckt hat mich eine Formation mit Vespas, die Beifahrer am Sozius hielten Portraits von Männern in Uniform hoch, versehen mit Jahreszahlen, offensichtlich Geburts- und Todesdaten. Auch diese Gruppe ließ sich feiern. Sie erinnerte wohl an Menschen, die für diese Stadt gestorben sind, ich interpretiere jetzt mal wild drauf los – für Gerechtigkeit und eine bessere Zukunft. Meine Tribüne zeigte Dankbarkeit für deren Einsatz mit lautem Beifall und Gejohle.

Abenteuer am Berg: zu Besuch bei den Blumenbauern in Santa Elena

Ein Abenteuer, das wir der Feria de las Flores – und Alejandro von „unsettled“ verdanken, war unser Besuch bei den Blumen-Bauern in Santa Elena am Mittwoch. Santa Elena liegt außerhalb der Stadt auf einem Berg. 45 Minuten mit einem öffentlichen Bus steil hinauf, begleitet von einer atemberaubenden Aussicht, Medellín zu unseren Füßen. Das hat uns zudem von der abenteuerlichen Fahrweise abgelenkt. Dann noch einmal umsteigen und mit einem Auto zehn Minuten über enge, kurvige Straßen zum Bauernhof unserer Wahl. Musik empfängt uns, wie überall, viele Menschen und ein älteres Pärchen tanzt – mitten auf der Straße, Autos und Mopeds stoppen, die Fahrer warten geduldig, filmen mit ihren Handys.

Von unten gesehen glaubt man ja nicht, dass da oben etwas anderes ist außer Wald und Gegend. Weit gefehlt. Eine hügelige, waldige Landschaft mit vielen Bauernhöfen und unzähligen Essensständen, wo man alles mögliche bekommt, zu 60 Prozent frittiert, zu 30 Prozent am offenen Griller und zu 10 Prozent frische Früchte. Es hatte etwas von einem Ausflug aufs Land, den viele Medellíner und natürlich auch Touristen an diesem Feiertag machten. Verlgeichbar vielleicht mit einem Sonntag in der Wachau, essen gehen, spazieren und vielleicht das eine oder andere Glas Wein zu viel verkosten.

Wir bewunderten die bunten Blumengärten und freuten uns, wenn wir welche erkannten, die es auch bei uns daheim gibt. Wir sahen zu, wie die Silletas gemacht werden. Das sind große Bilder auf runden Holzplatten, aus abertausenden kleinen Blüten, die mit Heißluftkleber befestigt werden, richtige Kunstwerke. Wir durften sogar mithelfen und das Blütenkleben ausprobieren. Die prächtigen Silletas werden auf Holzgestellen bei den großen Paraden während der Feria de las Flores von den Bäuerinnen und Bauern, den so genannten Silleteros, am Rücken getragen.

Pura Vida

Ausklingen ließen wir den Tag im Kumini, einem kleinen Bistro-Cafe in Santa Elena, das uns mit viel Herzenswärme überraschte. Eine kleine, beheizte Holzhütte, liebevoll eingerichtet und supergemütlich. Wir tranken Glühwein (Vino Caliente, absolute Empfehlung!) und aßen Empanadas und kosteten uns durch die Torten. Falls ihr mal in die Gegend kommt, dort müsst ihr unbedingt hin. Und wieder konnten wir uns auf die Hilfsbereitschaft verlassen. Um nicht den letzten Bus ins Tal zu verpassen, wurden wir von einem Einheimischen mit seinem Auto zur Busstation gebracht. Die Busfahrt selbst war dann ein Erlebnis für sich: Wir erwischten den wirklich allerletzten Bus und mussten die ganze Fahrt über stehen, er voll gepackt mit Medellínerinnen, die ihren Feiertag feuchtfröhlich und singend ausklingen ließen. Und wir mittendrin. Pura Vida.

Bevor es weitergeht, noch eine kurze Info:

Feria de las Flores gibt es übrigens bereits seit 1957, anfangs noch ein paar Tage im Mai hat es sich zu einem 10-Tage-Riesenfestival entwickelt. Einer der Höhepunkte ist die große Parade der Silleteros zu der rund eine Million Besucherinnen erwartet werden. Der Umzug findet nächsten Sonntag statt und wir werden ihn leider versäumen. Dafür erwartet uns ein Wochenende am Land, bei Kaffeebauern.

Hasta luego amigos!

Schattenwarten: mein langer Weg zur Markise

Es begann im April 2019, nach 15 Jahren war ich endlich bereit für Schatten auf meiner Terrasse, die nach Südwesten schauend ab März jeden Jahres bei Sonnenschein wüstenähnliche Verhältnisse annimmt. Das Thermometer ist schon ab 11 Uhr vormittags komplett am Anschlag, 60 Grad und mehr, und somit kein Ort, wo man Frühling bis Herbst untertags sein wollte. Der einzige Vorteil der schreienden Hitze: Die Wäsche ist innerhalb einer Stunde staubtrocken. Das reichte mir nicht, ich wollte in der frischen Luft lesen, grillen. Eine Markise musste her.

Ich recherchierte im Internet, das zweite Angebot sagte mir zu. Ein freundlicher, sichtlich kompetenter Berater kam schon am nächsten Tag vorbei und entwickelte mit mir die perfekte Schattenlösung inklusive einer coolen Farbe für den Stoff, der uns schon bald vor den Sonnenstrahlen schützen sollte – kühles Blaumannblau. Nach Vertragsunterzeichnung brauchte ich noch vier Wochen Geduld, dann konnte montiert werden, dachte ich und wohl auch der nette Kundenberater. Es sollte anders kommen.

Ich schreibe diese Zeilen am 21. Juni 2019. Das Jahr schreibe ich absichtlich dazu, wer weiß … Noch ist kein Schatten weit und breit, wir haben die erste Hitzewelle in Wien mit bis zu 36 Grad im Schatten, was auf meiner Terrasse vermutlich 80 Grad bedeutet. Ich kann es nicht messen, solche Thermometer gibt es nur für Wetterforscherinnen. Nicht, dass die Markise nicht schon da wäre, sie liegt fertig zusammengebaut draußen, die wunderschöne Bespannung im Wohnzimmer. Aber das reicht mir noch nicht, wie ihr euch denken könnt.

Regen und das Loch in der Mauer

Der erste Montagetermin war am 20. Mai. Es regnete in Strömen. Gut, dafür kann niemand etwas. Die Woche darauf der zweite Versuch, sie haben jetzt Hochsaison, früher ging es nicht. 27. Mai. Zwei kompetent wirkende Herren – Vater und Sohn – kamen fast pünktlich, der Verkehr. Sympathisch und hochmotiviert. Ein kleines Problem, das aber bald gelöst wurde: Die zwei Kompontenten der 6,5 Meter langen Markise mussten nochmal zerlegt werden, sie passten nicht in den Aufzug. Das dauerte fast eine Stunde. Sie bauten sie auf der Terrasse wieder zusammen, nahmen Maß und dann setzte einer der beiden den Bohrer an, ich glaube, es war der Sohn. Vielleicht war es sein erstes Bohrloch. Jetzt rückblickend betrachtet …

Ich freute mich, lesend auf meiner Couch, heute Nachmittag könnte ich Schatten und somit erstmals meine Terrasse bei Sonnenschein genießen. Da hörte ich einen dumpfen Knall, irgendetwas ist hinunter gefallen. Nichts Böses ahnend hielt ich Nachschau. Ein Loch in der Wand oberhalb meines Schreibtisches. Sie hatten durch den Beton gebohrt und ein Stück Mauer ist ausgebrochen und samt der Tapete auf den Holzboden geknallt, Semmel-groß. Okay, das kann wohl passieren, dachte ich. Als ich die Schreck geweiteten Augen der beiden Männer sah, stieg eine böse Ahnung in mir hoch.

„So etwas haben wir noch nie erlebt. Die Mauer ist viel zu dünn. Diese neuen Häuser, also, dass die das überhaupt so bauen konnten. Da können wir keine Markise montieren. Die ist viel zu schwer, wir brauchen eine andere Lösung.“ Sie telefonierten mit dem Chef. Ich war enttäuscht, aber sich ärgern hätte das Loch in der Wand und den Dreck in der Wohnung nicht weggezaubert. Sie müssten eine Gegenplatte anfertigen, damit das hält. Sie könnten leider nicht weiter machen. Leuchtete mir ein. Ob mich solche Metallplatten im Wohnzimmer und in der Küche störten? Nein, ich wollte meine Markise, es war heiß. Okay, sie kommen wieder in der nächsten Woche, sie werden die Montage einschieben, nach ihrem normalen Arbeitstag, abends, das ist ja gleich erledigt. Gut, dachte ich. So machen wir es und freute mich auf nächste Woche.

Warten und warten

Nächste Woche. Der Chef ruft mich an, der nächste Termin, den sie schaffen, ist der 4. Juni, früher ginge es nicht. Ja, was soll ich tun? Ich verschob Termine und wartete, 11 Uhr war ausgemacht. 5 nach 11 ruft der Chef an, es tue ihm sehr leid, der Monteur hätte sich eine Zerrung zugezogen, er sei am Weg ins Spital. Großes Sorry. Ich mache meinem Ärger Luft am Telefon, wissend, dass sie es wohl nicht absichtlich machen. Neuer Termin. Er bietet mir Samstag, 15. Juni an. Ich muss einen lang geplanten Badetag bei Freunden in deren Gartenhaus mit Pool absagen, die Markise geht vor.

Ich habe eine legendäre Pooleinweihungsfeier versäumt, daheim auf die Monteure wartend. 11 Uhr war vereinbart. Um viertel 12 ein Anruf von der Firma. Als ich die Nummer am Display sah wusste ich: wieder nichts. Der Chef der Markisenfirma am Telefon, zerknirscht. Die Frau des Monteurs sei im Spital, werde operiert. Wieder keine Markise. Der Chef erzählt mir, dass er jetzt nichts tun könne, er sei im Waldviertel. Ich denke mir, ich wäre jetzt auch gern im Waldviertel oder im Pool bei Michi und Franz und nicht in der abgedunkelten, stickigen Wohnung, allein an diesem heißen Juni-Samstag. Ich werde zornig, aber was nützt es? Niente. Er wird sich am Montag melden mit einem neuen Termin.

Zwei Profis am Werk

Freitag. 21. Juni, Sonnenwende. Strahlendes Wetter, Montagetermin halb 8 in der Früh. Neue Uhrzeit, ein gutes Omen, dachte ich, die meinen es ernst und kommen gleich am Morgen, da ist es auch noch nicht heiß bei mir auf der Terrasse, die Sonne kommt so gegen 10 Uhr. Perfektes Wetter, zwei neue Monteure, gut gelaunt. Sie schütteln den Kopf, als sie das Loch in der Wand sehen, aber was soll’s. „Wir machen das schon. In zwei Stunden sind wir fertig, inklusive des elektrischen Anschlusses.“ Ich mache uns allen Kaffee, schreibe an meinem Blog und bin zufrieden. Ein gutes Ende naht. Ich mag die beiden. Ich beobachte sie aus dem Augenwinkel, sie sind ein eingespieltes Team, es geht voran. Ich höre den Bohrer im Beton. Kurze Anweisungen, sie werken routiniert, das merke ich. Nach einer viertel Stunde: „Wo ist der dritte Träger?“

Vorahnung

Meine Vorahnung ist wieder da. Ich spüre sofort, es wird heute wieder keine Markise an der Wand geben. Heute reagiere ich mit einem Lachen. „Jaja, ein Träger fehlt.“ Wir suchen gemeinsam. Diese erste Montagepartie, die übrigens nicht mehr bei der Firma beschäftigt ist, Zitat vom Chef: „Wenn ich die nochmal sehe, gehe ich in‘ Häfen.“, haben einen der drei Träger mitgenommen damals, um diese Gegenplatten anzpassen. Übrigens, diese Gegenplatten braucht es gar nicht, so meine nun echten Profis, die jetzt hier bei mir die Markise gerne montiert hätten. Aber das ist nur ein Detail am Rande. Kurzer Hoffnungsschimmer beim Telefonat mit dem Chef, er hätte doch noch einen Träger im Geschäft, leider nur in weiß. Ich schreie dem Monteur über die Schulter in sein Handy: „Egal, bitte nehmt den weißen. Hauptsache, das Ding hängt heute noch und spendet Schatten.“ Die anderen Träger, an denen die Markise montiert wird, sind antrazit. „Interessiert mich nicht. Wenn es jemanden stört, male ich sie dann mit Nagellack an oder schau einfach nicht hin. Bitte nehmt diesen weißen Träger!“ Der Hoffnungsschimmer schwindet, als der Chef nach ein paar Minuten nochmal anruft. Die Monteure und ich trinken derweilen Kaffee. Leider, der weiße Träger passe doch nicht, ein anderes Modell. Er habe Mitbewerber gefragt, ob sie aushelfen können, vergeblich, Hochsaison. Er müsse das Ding bestellen – in Graz, die Lieferung dauere bis Mittwoch nächste Woche. Sobald er das Teil habe, melde er sich wieder mit einem Termin. Die beiden Profis packen zusammen und gehen.

Deprimiert mit Hoffnung

Ich kehre zusammen und wische den Staub weg. Setze mich an den Computer und schreibe. Mehr kann ich nicht tun. Und ich gebe die Hoffnung nicht auf. Fein wäre es allerdings, wenn die Markise noch VOR dem Sommer montiert wird.

Update: 1. Juli 2019

Montag, 1. Juli. 8 Uhr früh, das Handy läutet, der Markisenfirmen-Chef ist dran. Seine Montage-Crew hätte heute Zeit, mittags, ab 12 Uhr. Ob ich daheim wäre. Ich bin verärgert, am Freitag hatte ich ihn wieder ein Mal angerufen, der hätte sich nicht von selbst gemeldet. Am Mittwoch hätte ja dieser Träger aus Graz kommen sollen. Ich habe allerdings mittwochs nichts von ihm gehört. Und freitags hatte ich dann eben nachgefragt, was jetzt los sei. Er habe soviel zu tun, er sei alleine im Geschäft und Hochsaison und „alles ein Wahnsinn.“ Da platzt mir der Kragen: „Sie sollten sich vielleicht vorher um die bestehende Kundschaft kümmern, bevor Sie neue Aufträge annehmen, Himmelherrgott. Sie melden sich nicht, obwohl sie es versprochen hatten und ich muss Ihnen immer hinterherlaufen. Was würden Sie an meiner Stelle tun?“ Ich war echt sauer.

Jedenfalls, an dem Montag habe ich wieder alles liegen und stehen gelassen, Termine abgesagt, unter anderem einen lang geplanten in der KFZ-Reparaturwerkstatt meines Vertrauens. Ich habe ja noch andere Baustellen in meinem Leben. Ich habe mich ins Auto gesetzt und bin eine Stunde über die Autobahn gebrettert, damit ich rechtzeitig daheim bin.

Die Monteure waren pünktlich, gut gelaunt und voller Tatendrang, wieder, mein Dreamteam. Habe ich schon erwähnt, dass dieser 1. Juli zu einem der heißesten Tage des Jahres gezählt wurde? Die beiden Männer ließen sich von der Gluthitze auf meinem Balkon nicht abhalten und erledigten ihre Arbeit, schraubten den Träger an die Wand, montierten darauf das Markisengestell, bespannten es, stellten die richtige Neigung ein und schlossen den Strom an. Nach eineinhalb Stunden hatte ich meine Fernbedienung zum ersten Mal in der Hand und ließ mein neues Hitzeabwehrsystem seelig immer wieder ein- und ausfahren.

Nachtrag: Das Loch in der Wand ist übrigens noch da, ich habe es innen jetzt mit einem Gaffaband abgeklebt, damit dort keine ungebetenen Gäste einziehen. Der Chef der Firma sich nicht bei mir gemeldet, Rechnung wurde noch keine gestellt. Ich warte jetzt auf seinen Anruf – im Schatten sitzend.

Bunte Schreibnacht am 5.7.

Copyright: Claudia Aschour

Weil es im März 2019 so schön war mit euch am Friedhof frei zu schreiben, machen wir es gleich nochmal. Dieses Mal laden wir euch zu einer Schreibnacht im writer’s studio im 9. Bezirk in Wien ein. Unsere Inspiration: Farben. Wir starten um 20 Uhr. Claudia, Nikola und ich freuen uns auf alle, die mit uns schreiben wollen.

Erinnerungen in Farbe mit bunten Geschichten

Grießkochweiß sind Omas Wicklerlocken, purpurrot war Mamas Ausgeh-Lippenstift, biergelb die Zähne des Eisverkäufers. Bei unserer Schreibnacht rufen wir uns gemeinsam die Farben der Vergangenheit in Erinnerung und stärken damit unsere Vorstellungskraft.

Finde die Farben für deine Geschichte, und male ein Bild aus Worten. Tauch mit uns in die bunte Welt deiner Erlebnisse ein. Wir freuen uns auf dich!

Moderation: Claudia Aschour, Ilona Matusch,
Nikola von Merveldt

Keine Anmeldung nötig!

Eintritt: € 30,- bar, inklusive Material und Snacks.
Einlass: ab 19.45 Uhr, Ankommen bei Tee & Keksen.
Beginn: pünktlich um 20 Uhr.
Ende: 23 Uhr.

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